Aktuelles

Ein Weg zurück in die Gesellschaft

Klingenmünster

Symposium „Maßregelvollzug & Gemeindepsychiatrie“ im Pfalzklinikum

Podiumsdiskussion auf dem Symposium. 9 Menschen sitzen im Halbkreis in einem Gespräch auf einer Bühne.

Maßregelvollzug ist keine Endstation. Es gibt ein Leben davor und es braucht Perspektiven für ein Leben danach: Möglichkeiten einer Entwicklung der Patientinnen und Patienten im Spannungsfeld zwischen Sicherung auf der einen und Grundrechten jedes Menschen auf der anderen Seite.

Wie diese Perspektiven gestaltet werden können, diskutierten Fachleute aus Praxis und Fachwelt und auch Betroffene beim 5. Symposium der Klinik für Forensische Psychiatrie am 20.03.2025 in Klingenmünster unter dem Thema „Maßregelvollzug & Gemeindepsychiatrie“. 

„Dass wir heute überhaupt über diese Themen und eine Zusammenarbeit dieser Bereiche sprechen können, ist Ergebnis einer langen Entwicklung in der Versorgung psychisch schwer kranker Menschen“, führte Chefärztin und Unterbringungsleiterin Dr. Eva Biebinger ein. In der Folge kamen die Perspektiven von Maßregelvollzug und Einrichtungen der Eingliederungshilfe gleichermaßen zu Wort. Dr. Julia Schwaben, Referatsleiterin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit, beschrieb die Gemeindepsychiatrie als „Empfangsraum“ für Patientinnen und Patienten. Wie dieser gestaltet werden kann, welche Rahmenbedingungen es dabei gibt, welche Angebote fehlen und welche Rolle Genesungsbegleiterinnen und –begleiter spielen, wurde in den folgenden Vorträgen vorgestellt. Dr. Friedhelm Schmidt-Quernheim (Referent für Übergangsmanagement und Nachsorge, Gesundheitministerium Nordrhein-Westfalen) führte mit Beispielhaften Projekten aus dem Übergang vom Maßregelvollzug in die Praxis ins Thema ein. Dr. Luciana Degano Kieser (u.a. Landesbeauftragte für psychische Gesundheit des Landes Berlin) stellte gemeindepsychiatrische Versorgung in Italien vor, Andreas Becker & Aloysius Brörmann (Caritas Betriebsstättengesellschaft mbH) berichteten über das „enge Korsett“ bei der Rückführung von Patientinnen und Patienten in die Gesellschaft und Peter Martin (Psychiatriekoordinator Kreis Südwestpfalz) zeigte, wie eine Koordinierungsstelle Leistungserbringern und Kommunen miteinander vernetzt. Aus dem Pfalzklinikum berichteten Barbara Meyer, Nina Fröhlich und Simone Götz, wie sie in der direkten Zusammenarbeit Übergänge mit Patient*innen und Klient*innen gestalten.

Besonders eindrücklich war sicherlich ein Video über Menschen im Anschluss an ihre Unterbringung im Maßregelvollzug. Sie beschrieben ihren Weg zurück in die Gesellschaft und ihre individuelle Unterstützung in verschiedenen Anschlussangeboten für Patientinnen und Patienten: „Ich bewege mich in kleinen Schritte nach draußen. Kleinen, aber wichtigen“, so drückte es ein Betroffener aus.

In der anschließenden Podiumsrunde diskutierten die Vortragenden fachlich präzise und inhaltlich leidenschaftlich – und kamen zum Schluss, dass die Zusammenarbeit und Vernetzung intensiviert werden sollte, um für Patientinnen und Patienten eine Begleitung ohne Brüche zwischen den Institutionen zu gewährleisten. Betont wurden aber auch Präventionsangebote und eine frühe Versorgung schwer psychisch erkrankter Menschen, damit es gar nicht erst zu einer Unterbringung im Maßregelvollzug kommt.

Kontakt
Dr. Eva Biebinger
Chefärztin und Unterbringungsleiterin
06349 900-4000
Eva.biebinger@pfalzklinikum.de